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Die Elektrifizierung nimmt auch bei den Lastwagen Fahrt auf

Aktualisiert: 4. Nov.

Sowohl die aktuellen Neuzulassungszahlen als auch die geplanten Absatzzahlen der Nutzfahrzeughersteller deuten auf einen raschen Hochlauf elektrischer LKWs hin. Diese Nutzfahrzeuge werden nicht nur in Depots geladen, sondern die Transportunternehmen sind auch auf ein öffentlich zugängliches Ladenetz angewiesen. Die Herausforderungen bei der Planung und beim Aufbau der entsprechenden Ladeinfrastruktur sind jedoch wesentlich grösser als bei den E-Autos. Es braucht rasch Grundlagen und gemeinsame Anstrengungen verschiedener Akteure, um ein verlässliches, initiales Ladenetz in der Schweiz zu errichten, das mit dem Hochlauf der E-LKW Schritt hält.


Elektro-LKW: In der Schweiz und in Europa ist einiges in Bewegung

Auf den Strassen in der Schweiz und in Europa sind vermehrt elektrische LKWs unterwegs. Ende Juli 2023 hat die European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA) die Halbjahreszahlen der Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen publiziert. Bei den Neuzulassungen elektrischer LKWs liegt die Schweiz mit knapp 7% bei den Neuzulassungen europaweit aktuell auf Platz 2. Das entspricht einer Steigerung der Neuzulassungen gegenüber dem 1. Halbjahr 2022 von über 220%. Dies nicht zuletzt dank guter Rahmenbedingungen wie z.B. der Befreiung der E-LKWs von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA).


Damit diese Lastwagen auch unterwegs geladen werden können, werden in Europa verschiedene Initiativen für den Aufbau öffentlich zugänglicher Ladestationen für E-LKWs vorangetrieben: Im letzten Jahr wurde ein Joint Venture zwischen Daimler Truck, der TRATON GROUP und der Volvo Group mit dem Namen Milence gegründet. Innerhalb von fünf Jahren sollen in Europa mindestens 1’700 Hochleistungs-Ladepunkte für LKW und Reisebusse an und in der Nähe von Autobahnen sowie an Logistik-Hubs entstehen. In Schweden ist es ein Konsortium bestehend aus drei Unternehmen, dass ein flächendeckendes Schnellladenetz für E-LKWs realisieren will. Und Anfang Jahr hat das Unternehmen Aral Europas ersten E-LKW-Ladekorridor entlang des Rheins in Betrieb genommen.


Neben diesen privaten Initiativen werden mittlerweile auch verschiedene EU-Staaten aktiv. So ist zum Beispiel in Deutschland eine öffentliche Ausschreibung für den Aufbau eines initialen Schnellladenetzes für LKW entlang der Fernverkehrsstrecken in Arbeit.


Elektro-LKW an einer Schnellladestation


Schwere Nutzfahrzeuge als wichtiger Hebel zur Reduktion CO2-Emissionen

Schwere Nutzfahrzeuge sind aufgrund ihrer hohen Fahrleistung für einen bedeutenden Anteil an den CO2-Emissionen des Verkehr in der Schweiz verantwortlich. Im Jahr 2021 betrug dieser Anteil 13% (siehe Abbildung unten). Damit sind die LKWs nach den Autos für den zweitgrössten Anteil an den CO2-Emissionen des Verkehr verantwortlich und sie sind ein wichtiger Hebel zur Reduktion der CO2-Emissionen. Vorteilhaft für eine rasche Elektrifizierung der LKWs ist die relativ kurze Haltedauer dieser Fahrzeuge (ca. 3-5 Jahre).


CO2-Emissionen des Verkehrs nach Verkehrsträger und -mittel
Quelle: Treibhausgasinventar BAFU, Stand April 2021

Blick in die Zukunft zeigt einen raschen Hochlauf der E-LKW

Informationen über den voraussichtlichen Hochlauf der E-LKW in den kommenden Jahren lassen sich aus den geplanten Absatzzahlen der Nutzfahrzeughersteller gewinnen. In Deutschland wurden mit der Publikation «Marktentwicklung klimafreundlicher Technologien im schweren Straßengüterverkehr» kürzlich erstmals solche Informationen der wichtigsten Nutzfahrzeughersteller veröffentlicht. Die Informationen wurden im Rahmen kartellrechtskonformer, vertraulicher Gespräche ermittelt und in aggregierter Form aufbereitet.


Die Strategien und geplanten Absatzzahlen zeigen eine rasche Entwicklung: So sollen im Jahr 2030 laut Angaben der Hersteller bei den schweren Nutzfahrzeugen bereits rund 75% der Neuzulassungen in Deutschland und rund 60% in Europa emissionsfrei sein (siehe untenstehende Abbildung). Im Mittelpunkt der Antriebsstrategien stehen dabei elektrische Antriebe mit Batterie und Brennstoffzelle.


Prognostizierte Absatzzahlen schwerer Nutzfahrzeuge in Deutschland
Quelle: NOW GmbH 2023; Marktentwicklung klimafreundlicher Technologien im schweren Straßengüterverkehr


Wichtige Entwicklungen bei der Standardisierung und der EU-Gesetzgebung

Die Auswertungen solcher Informationen liefern wichtige Erkenntnisse für die Planung des Aufbaus von Ladeinfrastruktur für E-LKW. Und auch hier gibt es wichtige Entwicklungen, sowohl was die Standardisierung als auch die gesetzlichen Vorgaben in der EU betrifft.


Im Juni 2022 wurde erstmals das Megawatt Charging System (MCS) demonstriert und das Prototyp-Design des entsprechenden Steckers enthüllt. Das System ermöglicht eine leistungsstarke Aufladung während den gesetzlich vorgeschriebenen 45-minütigen Ruhepausen der Lastwagen-Fahrer. Anders als bei den E-Autos ist die Position des Ladeports an den Fahrzeugen für das MCS standardisiert. Diese einheitliche Position soll den Aufbau der Ladeinfrastruktur vereinfachen. Schweizer Unternehmen, wie z.B. ABB E-Mobility und BRUGG eConnect, spielen bei der Entwicklung der neuen Technologie eine wichtige Rolle.


Eine wichtige Neuheit gibt es auch in der EU-Gesetzgebung. Im Juli 2023 wurde die neue Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) verabschiedet. Erstmals gibt es damit auch klare Vorgaben für Schwerverkehr-Ladeinfrastruktur in allen EU-Staaten. Bis im Jahr 2030 muss am Kernnetz alle 60 km und am Gesamtnetz alle 100 km Schnelladeinfrastruktur speziell für LKW zu Verfügung stehen - und das in beide Fahrtrichtungen.


Herausforderungen sind wesentlich grösser als bei der Ladeinfrastruktur für E-Autos

Gemäss der oben erwähnten Studie besteht bei den Nutzfahrzeugherstellern Einigkeit, dass der Infrastrukturaufbau der wichtigste Baustein für die Etablierung von E-LKWs ist. Ihr Aufbau müsse äusserst zeitnah erfolgen, um einen raschen Markthochlauf zu ermöglichen. Das ist aber anspruchsvoll, da die Herausforderungen einiges grösser sind als etwa beim Aufbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos.


Zum einen wären da der deutlich grössere Flächenbedarf für die Ladestandorte und die limitierte Flächenverfügbarkeit. Aufgrund der hohen Ladeleistungen sind zudem die Netzanschlüsse eine Herausforderung. An Standorten mit einem hohen Bedarf an Ladeinfrastruktur für E-LKW wird mittelfristig ein Netzanschluss in der Hochspannung erforderlich sein. Dies ist mit sehr grossen Investitionskosten verbunden. Und insbesondere der grosse Zeitbedarf muss berücksichtigt werden: Die Planungs-, Projektierungs- und Genehmigungsprozesse können bis zu 10 Jahre dauern.


Für initiales Ladenetz braucht es die frühzeitige Abstimmung der relevanten Akteure

In der Schweiz muss die Planung für ein initiales Netz an öffentlich zugänglichen Ladestationen für E-LKWs entlang der Nationalstrassen deshalb zügig angestossen werden. Aktuell werden hierzu erste Grundlagen erarbeitet. Zudem sind gemeinsame Anstrengungen und eine frühzeitige Abstimmung verschiedener Akteure notwendig: Logistikunternehmen, Ladestationsbetreiber, Verteilnetzbetreiber, die Kantone und der Bund sind gefragt. Auch eine Abstimmung mit den laufenden privaten und öffentlichen Initiativen in unseren Nachbarländern ist wichtig.


Fazit: Rasch Grundlagenarbeiten durchführen, um Verzögerungen zu vermeiden

Ein rascher Hochlauf der E-LKWs ist absehbar und das damit einhergehende Wachstum des Bedarfs an öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur ist sehr dynamisch. Verzögerungen können diese Entwicklung strak bremsen. Die Erfahrungen aus dem Aufbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos lassen sich nur bedingt auf die E-LKWs übertragen. Deshalb ist es wichtig, dass rasch Grundlagen­arbeiten geleistet und die zentralen Akteure involviert werden. Insbesondere mit der Planung grosser Ladestandorte und deren Netzanschlüsse muss schnellstmöglich begonnen werden.


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