Startschuss für E-LKW-Ladenetz in der Schweiz
- Stephan Walter

- 5. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) hat am 5. Januar 2026 einen Projektaufruf für den Bau und Betrieb von Schnellladestationen für E-LKW entlang der Nationalstrassen lanciert. Mit dem Verfahren werden drei Lose mit je rund zehn Standorten an ausgewählten Rastplätzen und Schwerverkehrskontrollzentren an Betreibergesellschaften vergeben.
Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt für den Hochlauf von E-LKW getan. Nirgendwo in Europa wurden bis heute anteilsmässig mehr E-LKW zugelassen als in der Schweiz. Das Initialnetz an Schnellladestationen für den Schwerverkehr entlang der Autobahnen muss aber in den kommenden Jahren durch weitere Projekte ergänzt werden, um ein bedarfsgerechtes, öffentliches Ladenetz für die Transportbranche bereitzustellen.
Wichtige Eckpunkte des Projektaufrufs des ASTRA
Mit dem lancierten Projektaufruf will das ASTRA dedizierte Ladeplätze für E-LKW entlang der Nationalstrassen schaffen. Die Lose werden den ausgewählten Gesuchstellenden in Form einer Reservationsvereinbarung zugewiesen. Nach der Unterzeichnung der Reservationsvereinbarungen haben die Unternehmen grundsätzlich zwei Jahre Zeit für die Planung der Schnellladestationen und die Beantragung einer Baubewilligung.
Das ASTRA stellt als Basislösung die Stromanschlüsse bis und mit einer Trafostation sicher und übernimmt die Vorfinanzierung der damit verbundenen Kosten. Diese werden von den Betreibergesellschaften anschliessend in Form einer jährlichen Entschädigung zurückerstattet. Für Planung, Finanzierung, Bau, Anschluss, Betrieb und Unterhalt der Schnellladestationen sind die Gesuchstellenden selbst verantwortlich. Die Bewilligungsdauer beträgt in der Regel 22 Jahre ab Unterzeichnung der Reservationsvereinbarung.
Die Lose sind so zusammengestellt, dass eine ausgewogene Verteilung der Standorte in der ganzen Schweiz gewährleistet ist. Folgende Abbildung zeigt in einer Übersicht die drei Lose mit den bereitgestellten Standorten auf Rastplätzen und Schwerverkehrskontrollzentren:

Interessierte Unternehmen haben bis zum 30. April 2026 Zeit, ihre Bewerbungsunterlagen beim ASTRA einzureichen. Alle Informationen zum Vergabeverfahren werden auf der Website des ASTRA kommuniziert.
Lücken im Ladenetz möglichst rasch schliessen
Auch wenn der Projektaufruf des ASTRA einen wichtigen Schritt darstellt, reicht er allein noch nicht aus, um ein bedarfsgerechtes Schnellladenetz für E-LKW entlang der Autobahnen sicherzustellen. Aufgrund der begrenzten Anzahl geeigneter Standorte des Bundes, die im Rahmen des Projektaufrufs zur Verfügung stehen, werden Lücken im Ladenetz bestehen. Hier spielen die Kantone eine wichtige Rolle, da sie mit den bewirtschafteten Raststätten über weitere wichtige Standorte entlang der Nationalstrassen verfügen. In den kommenden Monaten will das ASTRA daher den Austausch mit den Kantonen vertiefen.
Auch Ladestationen in Depots von Transport-Unternehmen sind von zentraler Bedeutung. Durch das vermeherte Teilen solcher privaten Schnellladestationen zwischen den Unternehmen, können öffentlichen Ladestandorte sinnvoll ergänzt werden. Ein koordiniertes Vorgehen ist wichtig, um gemeinsam ein bedarfsgerechtes, öffentlich zugängliches Schnellladenetz für E-LKW in der Schweiz aufzubauen.
Auch in Europa wächst das E-LKW-Ladenetz
Auch in Europa wird der Aufbau eines öffentlich Ladenetzes für E-LKW vorangetrieben. So hat die EU mit der Richtlinie ‘Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe’ (AFIR) verbindliche Mindestvorgaben für die Bereitstellung von Lademöglichkeiten für E-LKW eingeführt. Bis im Jahr 2030 ist in den Mitgliedsländern der EU eine vollständige Abdeckung des TEN-V-Kernnetzes mit Schnellladestationen in Abständen von höchstens 60 km vorgesehen. Um diese Vorgaben zu erfüllen, haben z.B. unsere Nachbarländer Deutschland und Österreich kürzlich Ausschreibungen für den Bau und Betrieb von Ladestationen für E-LKW auf Rastplätzen lanciert.
In Deutschland sind es in einem ersten Ausbauschritt rund 130 Standorte an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen, die in fünf Losen an Betreibergesellschaften vergeben werden. Weitere ca. 220 Standorte an bewirtschafteten Rastanlagen sollen zu einem späteren Zeitpunkt hinzukommen. In Österreich erfolgt keine Losvergabe. Stattdessen wird eine Dienstleistungskonzession erteilt, die 21 Rastplätze umfasst.
Spitzenplatz der Schweiz bei den Neuzulassungen von E-LKW
Nirgendwo in Europa wurden bis heute anteilsmässig mehr E-LKW zugelassen als in der Schweiz. Dieser Vorsprung bei den Neuzulassungen von E-LKW konnte nach dem 3. Quartal 2025 sogar noch ausgebaut werden. Dies zeigen die neusten Zahlen der European Automobile Manufacturers' Association (siehe Medienmitteilung vom 30.10.2025). Bei den E-Trucks (> 3.5 Tonnen) liegt die Schweiz mit 18.9% aller Neuzulassungen mit deutlichem Abstand auf Rang 1 in Europa. Die Befreiung von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe für E-LKW und ein immer breiteres Angebot der Fahrzeuge mit sinkenden Preisen sind zentrale Voraussetzungen für diese Entwicklung.
Ausbau der Netzanschlüsse als grosse Herausforderung
Eine zentrale Herausforderung für die rasch wachsende Zahl von E-LKW auf Schweizer Strassen ist der Stromnetzausbau für die benötigte Ladeinfrastruktur. Bei den einzelnen Ladestandorten werden in der Regel Netzanschlüsse im Megawatt-Bereich benötigt. Dieser hohe Leistungsbedarf führt bei der Umsetzung zu zahlreichen Hürden. Ist beispielsweise eine Verstärkung oder Erweiterung einer Unterstation notwendig, dürfte dies je nach Umfang etwa 2 bis 5 Jahre dauern. Bei der Bestellung der Netzanschlüsse und im Hinblick auf eine allfällige spätere Skalierung der Ladeplätze sollten die Standortbetreiber daher frühzeitig den kurz-, mittel- und langfristigen Ausbaupfad mit dem zuständigen Verteilnetzbetreiber besprechen.
Roadmap Elektromobilität neu mit Schwerverkehr
Das Jahr 2026 markiert auch den Start der dritten Etappe der nationalen Roadmap Elektromobilität. Erstmals wird nun im Rahmen der Roadmap auch den Nutzfahrzeugen und den Bussen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die angestrebte Reduktion der CO2-Emissionen in diesen Fahrzeugklassen ist bedeutend. Die Lastwagen sind in der Schweiz für 10.8 % der CO2-Emissionen des Verkehrs verantwortlich (siehe nachfolgende Abbildung). Die Roadmap Elektromobilität bietet mit der nächsten Etappe einen geeigneten Rahmen, um die Vernetzung und den Informationsaustausch der verschiedenen Akteure zu fördern. Mit einem neuen Leuchtturm E-LKW sollen zudem gemeinsame Lösungen entwickelt werden.

Rasches und koordiniertes Handeln ist für den Hochlauf zentral
Die rasch wachsende Zahl von E-LKW auf Schweizer Strassen ist erfreulich. Das ASTRA hat nun mit Projektaufruf für den Bau und Betrieb von Schnellladestationen für E-LKW entlang der Nationalstrassen einen weiteren wichtigen Schritt für den Hochlauf von E-LKW getan. Es freut uns, dass wir von Seiten der eMobilityLab GmbH das ASTRA bei diesem Projektaufruf mit Fachwissen unterstützen durften.
Es gibt aber noch viel zu tun. Der Aufbau von Ladeinfrastruktur für E-LKWs und der damit verbundene Ausbau der Netzanschlüsse ist sehr kostspielig und zeitaufwendig und sollte deshalb möglichst effizient und koordiniert erfolgen. Die Roadmap Elektromobilität kann hier eine geeignete Plattform bieten, um den Informationsaustausch und gemeinsame Aktivitäten der verschiedenen Akteure zu fördern.



Kommentare