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Ladestationen im Quartier als Schlüssel zu mehr E-Autos

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Eines der grossen Hindernisse für die weitere Verbreitung von Elektroautos ist ein Mangel an wohnortnahen Lademöglichkeiten für E-Autos, die weder zu Hause noch am Arbeitsplatz geladen werden können. Im Jahr 2035 werden es in der Schweiz gemäss einer Studie des Bundesamts für Energie 400’000 bis 1’000’000 Elektrofahrzeuge sein, die über keine private Ladestation verfügen.

 

Für Personen mit einer eignen Lademöglichkeit zu Hause, sogenannte Heimlader, funktioniert die Elektromobilität heute gut. Für Personen ohne private Lademöglichkeit, auch als Strassenlader bezeichnet, trifft das hingegen häufig nicht zu. Deren Bedürfnisse werden heute oft noch zu wenig berücksichtigt.

 

Besonders in verdichteten, urbanen Räumen ist der Bedarf an öffentlichen Ladestationen mit attraktiven Ladetarifen für Strassenlader hoch. Gemeinden und Städte können bei der Realisierung von geeigneten Ladelösungen für Strassenlader eine ermöglichende und unterstützende Rolle einnehmen:


  • Geeignete Parkplätze zur Verfügung stellen und diese ausschreiben, damit dort attraktive Ladestandorte entstehen können.

  • Attraktive Ladetarife und eine einfache, fussläufige Erreichbarkeit für Anwohnende im Quartier sowie an Zielorten sicherstellen.

  • Gefragt ist ein guter Mix von Langsam- und Schnellladepunkten (v.a. mit Ladeleistungen von 11 kW bis 50 kW).


400'000 bis 1’000'000 Elektrofahrzeuge ohne private Lademöglichkeit

Im Jahr 2035 werden gemäss einer Studie des Bundesamts für Energie 400’000 bis 1’000’000 Elektrofahrzeuge in der Schweiz über keine private Lademöglichkeit verfügen, weder zu Hause noch am Arbeitsplatz. Dies entspricht 14 bis 38 Prozent der batterieelektrischen Fahrzeuge im Jahr 2035.

 

Es handelt sich vor allem um Fahrzeughalterinnen und -halter ohne private Abstellplätze (z.B. mit einem Stellplatz in der blauen oder weissen Zone) und Härtefälle, insbesondere in älteren Mietliegenschaften. Für diese Personen braucht es deshalb allgemein zugängliche Ladestationen, möglichst in der Nähe zum Wohnort.


Bedürfnisse der Strassenlader werden zu wenig berücksichtigt

Für Personen mit einer eignen Lademöglichkeit zu Hause, sogenannte Heimlader, funktioniert die Elektromobilität heute gut. Für sie ist das Laden des eigenen E-Autos bequem und finanziell attraktiv, da sie überwiegend zu Hause laden können. Sie sind nur gelegentlich auf das teurere Laden unterwegs angewiesen.

 

Für Personen ohne private Lademöglichkeit, auch als Strassenlader bezeichnet, trifft das hingegen häufig nicht zu. Viele dieser potenziellen Käufer von Elektroautos sind noch nicht überzeugt, da das bestehende Ladeangebot nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Denn auch sie möchten ein E-Auto möglichst günstig und bequem Laden können.

 

Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur hat die unterschiedlichen Situationen für Heimlader und Strassenlader in folgender Abbildung gut dargestellt.


Anwendungsfälle Heimlader und Strassenlader
Bildquelle: Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur

In vielen Städten und Gemeinden gibt es Lücken im Ladenetz

Im Januar 2026 gab es in der Schweiz über 17’300 öffentlich zugängliche Ladestationen. In den letzten Jahren ist deren Zahl stark angestiegen, wie die Auswertung des Bundesamts für Energie zeigt (siehe Abbildung unten).

 

Ein Blick auf die Karte des nationalen Ladestationsverzeichnisses www.ich-tanke-strom.ch zeigt aber, dass es in vielen Städten und (Agglomerations-)Gemeinden Lücken im öffentlich zugänglichen Ladenetz gibt. Besonders in verdichteten, urbanen Räumen ist der Bedarf an attraktiven öffentlichen Ladeangeboten jedoch hoch.

 

Der Aufbau einer öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur verläuft aber gerade hier häufig langsam, zum Teil unkoordiniert und an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei. Dabei würde ein entsprechendes Ladeangebot den Personen ohne privaten Parkplatz (Strassenlader) den Zugang zur Elektromobilität erleichtern.


Zeitliche Entwicklung der Anzahl öffentlich zugänglicher Ladestationen in der Schweiz
Bildquelle: Bundesamt für Energie, Mobilität, Geoinformation

Bedürfnisorientierte Ladelösungen für Strassenlader

Um mehr Personen den Umstieg auf die Elektromobilität zu erleichtern, sind insbesondere in Städten und grösseren Gemeinden bedürfnisorientierte Lösungen für die Zielgruppe Strassenlader gefragt.

 

Wichtig ist zum Beispiel eine einfache, fussläufige Erreichbarkeit. Die Ladestationen sollten nach Möglichkeit, in Anlehnung an die Haltstellen des öffentlichen Verkehrs, aus einer maximalen Gehdistanz von 350 Metern erreichbar sein. Interessante Standorte für eine Clusterung von Ladestationen im Quartier können insbesondere öffentliche Parkierungsanlagen oder Zielorte (Point of Interest), zum Beispiel Sportanlagen, sein.

 

Attraktive, moderate Ladetarife sind ein weiteres wichtiges Kriterium für eine bedürfnisorientierte Umsetzung von Lademöglichkeiten für Strassenlader im Quartier. Hierfür bieten sich Ladestationen mit tieferen Ladeleistungen an (11 kW bis 50 kW). Denn die Ladetarife an diesen Ladestationen sind tiefer als bei Schnellladestationen mit hohen Ladeleistungen (z.B. 150 kW). Längere Standzeiten der E-Autos an den Ladestationen ermöglichen zudem das intelligente Laden, das in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen dürfte. Ladepunkte werden verstärkt so gesteuert, dass sie möglichst viel günstigen Photovoltaik-Strom nutzen und netzdienlich betrieben werden können. Strassenlader werden so Teil der Sektor-Koppelung.

 

Gefragt ist also ein guter Mix von Langsam- und Schnellladestationen, damit die unterschiedlichen Ladebedürfnisse mit unterschiedlichen Ladeangeboten abgedeckt werden können. Eine interessante Option zwischen Langsam- und Schnellladepunkten können Ladestationen mit einer Ladeleistung von 50 kW sein: sie erlauben attraktive Ladetarife für die Nutzenden und Wirtschaftlichkeit für die Betreiber.


Attraktives Angebot von wohnortnahen Ladestationen in Basel-Stadt

In Basel-Stadt werden mit dem Aufbau vieler wohnortnaher Ladestationen attraktive Lademöglichkeiten für Strassenlader geschaffen. Gemeinsam mit dem Kanton errichtet der lokale Energieversorger IWB bis Ende 2026 insgesamt 200 allgemein zugängliche Quartier-Ladesäulen auf Allmendflächen. Es ist ein Mix von verschiedenen Ladeleistungen: 170 Langsam- und 30 Schnellladestationen. Folgenden Abbildung zeigt einen Kartenausschnitt mit den Ladestationen in der Stadt Basel.

 

Ladestationen in Basel-Stadt
Bildquelle: IWB

Auch weitere Städte (z.B. Bern, St.Gallen, Thun, Winterthur, Zürich) und Agglomerationsgemeinden sind daran, gezielt Lademöglichkeiten für Strassenlader zu schaffen. Im Gegensatz zu Basel-Stadt handelt es sich dabei aber häufig noch um Pilotprojekte und keine flächendeckenden Angebote.


Ermöglichende und unterstützende Rolle der Gemeinden und Städte

Gemeinden und Städte können, in dem sie allgemein zugängliche Ladepunkte möglichst in der Nähe zum Wohnort ermöglichen, eine wichtige Rolle beim Übergang zur Elektromobilität einnehmen. Sie können so eine ermöglichende und unterstützende Rolle einnehmen und müssen nicht zwangsläufig grosse Investitionen tätigen.

 

Gemeinden und Städte können geeignete Parkplätze zur Verfügung stellen und diese ausschreiben, damit dort Langsam- und Schnellladestandorte entstehen können. Der Ausbau an öffentlicher Ladeinfrastruktur im Quartier wird jedoch ohne Unterstützung durch die Stadt oder die Gemeinde nicht oder nur ungenügend realisiert werden.

 

Einige wichtige Punkte zusammengefasst:

  • Geeignete Parkplätze zur Verfügung stellen und diese ausschreiben, damit dort Ladestandorte entstehen können.

  • Standortwahl seitens Gemeinde/Stadt: wirtschaftlich attraktive und weniger attraktive Standorte zusammen ausschreiben.

  • Attraktive Ladetarife und eine einfache, fussläufige Erreichbarkeit für Anwohnende im Quartier sowie an Zielorten sicherstellen.

  • Gefragt ist ein guter Mix von Langsam- und Schnellladepunkten (v.a. mit Ladeleistungen von 11 kW bis 50 kW).

  • Vorausschauende Planung: Sanierungen von Strassen und Plätzen nutzen.

 

Wichtig ist, dass die allgemein zugängliche Ladeinfrastruktur bedarfsgerecht und an sorgfältig ausgewählten Standorten im Quartier wächst, um die Entwicklung der Elektromobilität nicht zu behindern. Eine konsequente Umsetzung bedürfnisorientierter Ladelösungen für Strassenlader kann den Umstieg zur Elektromobilität für diese Nutzergruppe erleichtern und zu hohen Auslastungen der Ladeinfrastruktur führen, wie das Beispiel der Niederlande zeigt.




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