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Mit intelligentem Laden Geld verdienen und das Netz entlasten

Aktualisiert: 1. Apr.

Intelligentes Laden bedeutet, dass ein Elektroauto automatisch immer dann geladen wird, wenn es für das Stromnetz und die Energiewende am sinnvollsten ist.

 

Das intelligente Laden bietet damit verschiedene individuelle, aber auch gesellschaftliche Vorteile:


  • Ladekosten senken durch tiefere Stromtarife.

  • Nachhaltigeres Laden zu Zeiten mit hoher Solarstromproduktion.

  • Das Stromnetz entlasten.

  • Netzausbau verzögern und die Ausbaukosten senken.

  • Neue Geschäftsmodelle für Unternehmen ermöglichen.

 

Heute laden in der Schweiz jedoch erst 8 % der Elektroautofahrenden ihr E-Auto intelligent, wie eine aktuelle nationale Befragung zeigt.

 

Damit hierzulande immer mehr E-Autos als Speicher auf Rädern das Netz entlasten, Überschüsse aus Solarenergie aufnehmen und perspektivisch ins Netz zurückspeisen, müssen noch ein paar Hürden überwunden werden und verschiedene Akteure zusammenwirken.

 

Welche Lösungen und finanziellen Anreize das intelligente Laden stärken, was es konkret braucht, damit auch Sie intelligent laden und dadurch sogar Geld verdienen können – all das erfahren Sie in diesem Blogartikel.


Unser Geschäftsauto soll intelligent geladen werden

Wir wollen das Geschäftsauto der eMobilityLab GmbH, das wir auch privat nutzen, intelligent Laden. Das klingt sinnvoll, führte aber bei der Umsetzung zu verschiedenen Fragen: Was sind die Vorteile? Wie funktioniert das smarte Laden überhaupt? Was brauchen wir dafür konkret?

 

Mit dem intelligenten Laden (Smart Charging) werden die Ladevorgänge gezielt gesteuert und optimiert. Das Auto wird automatisch dann geladen, wenn der Strom zum Beispiel günstig, grün oder das Netz entlastet ist.


Intelligentes Laden bietet verschiedene individuelle, aber auch gesellschaftliche Vorteile:


  • Ladekosten senken durch tiefere Stromtarife.

  • Nachhaltigeres Laden zu Zeiten mit hoher Solarstromproduktion.

  • Das Stromnetz entlasten.

  • Netzausbau verzögern und die Ausbaukosten senken.

  • Neue Geschäftsmodelle für Unternehmen ermöglichen.


Eine Mehrheit steht dem intelligentem Laden offen gegenüber

Zahlreiche Gründe sprechen also für das intelligente Laden. Doch wie stehen die heutigen Besitzenden von Elektroautos in der Schweiz zum Thema smartes Laden? Im Rahmen der Roadmap Elektromobilität haben wir in einer Arbeitsgruppe Fragen für eine Umfrage erarbeitet, um mehr über die Bereitschaft für das intelligente Laden zu erfahren. Die repräsentative Befragung mit über 2000 Teilnehmenden aus allen Sprachregionen der Schweiz, die im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) durchgeführt wurde, ergab interessante Erkenntnisse.


«Grundsätzlich besteht eine gewisse Offenheit gegenüber intelligentem Laden, sofern dies bei Bedarf übersteuert werden kann.»

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Mehrheit der Befragten dem intelligenten Laden offen gegenübersteht – vorausgesetzt, sie behalten die Kontrolle über den Ladevorgang. Der Anteil an Smart Charging ist in der Schweiz jedoch noch tief. 8% der Befragten laden ihr Fahrzeug bereits intelligent (siehe folgende Abbildung). Nur wenige Personen können sich smartes Laden überhaupt nicht vorstellen. Bei vielen Personen muss allerdings noch etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden.


Bereitschaft intelligentes Laden und Planung
Bildquelle: Befragung von Elektroautofahrenden, Bundesamt für Energie (2025)


Hürden auf dem Weg zu mehr intelligentem Laden

Es wird also in der Schweiz zum Teil bereits intelligent geladen. Die Verbreitung erfolgt jedoch langsamer, als gesellschaftlich erwünscht. Das hat verschiedene Gründe. Neben der bereits erwähnten Sensibilisierung der Nutzenden sind es v.a. Unternehmen, die gefordert sind. Das Zusammenspiel verschiedener, wichtiger Akteure ist für das intelligente Laden von entscheidender Bedeutung.

 

Die fehlende Kompatibilität zwischen verschiedenen Fahrzeugen und Ladestationen ist aktuell noch eine grosse Herausforderung. Zentral ist dabei der Standard ISO 15118-20. Dieser internationale Standard für die Kommunikation zwischen Elektrofahrzeugen und Ladestationen ermöglicht fortgeschrittene Funktionen, wie das intelligente und bidirektionale Laden, das drahtlose (induktive) Laden oder die automatische Abrechnung von Ladevorgängen (Plug & Charge). ISO 15118-20 ist derzeit nicht verbindlich und bei den Herstellern hat sich der Standard noch nicht durchgesetzt.


Das dürfte sich jedoch bald ändern. In der EU gilt es ab Januar 2027 ISO 15118-20 zu erfüllen. Solche Entwicklungen werden sich auch auf die Schweiz auswirken und den Unternehmen helfen, organisatorische Hürden zu überwinden und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.


Was braucht es konkret, um ein E-Auto intelligent zu laden?

Was braucht es nun konkret, um ein Elektroauto intelligent zu laden? Eine zentrale Voraussetzung ist, dass der Ladeprozesses gesteuert werden kann. Hierzu braucht es eine steuerbare Ladestation. Ein Steuersignal, das den Ladevorgang starten und stoppen kann, ist die einfachste Form des intelligenten Ladens. Das Signal kann von der App des Autos, von der App der Ladestation, von der App eines Drittanbieters oder einem Energiemanagement-System (EMS) kommen.

 

Eine besondere Form des intelligenten Ladens ist das netzdienliche Laden. Die Verteilnetzbetreiber können mit aktiver Laststeuerung (Fernsteuerung der Ladestation) oder dynamischen Stromtarifen, die sich an der Netzbelastung orientieren, Anreize schaffen. Damit sollen Nutzer und Nutzerinnen von Elektroautos motiviert werden, ihr Auto nicht zu Spitzenzeiten zu laden. Erste Verteilnetzbetreiber in der Schweiz bieten mittlerweile dynamische Tarife an (z.B. EKZ, Groupe E). Die aktive Steuerung und dynamische Tarife können helfen, den Netzausbau zu verzögern und die Ausbaukosten zu senken.

 

Ohne ein intelligentes Messsystem (Smart Meter) ist ein netzdienliches Laden von E-Autos mittels dynamischer Stromtarife derzeit kaum möglich, da die Verschiebung von Ladevorgängen in Zeiträume mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien und niedrigen Stromgrosshandelspreisen weder gemessen noch bilanziert und abgerechnet werden kann. Doch der Rollout von Smart Metern kommt hierzulande nur schleppend voran.


Der Einfache Einstieg: Apps für intelligentes Laden

Es gibt jedoch Apps, mit denen E-Auto-Besitzende auch ohne Smart Meter oder dynamische Stromtarife intelligent laden können. Diese Apps steuern den Ladevorgang so, dass das Fahrzeug zur bestmöglichen Zeit geladen wird – abhängig von der Netzauslastung und der Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energien. Gleichzeitig erhalten die Nutzenden eine finanzielle Vergütung für die bereitgestellte Flexibilität.

 

Wir nutzen aktuell die App des Energieversorgungsunternehmens CKW, um unser Geschäftsauto intelligent zu laden. So können wir einen Beitrag zur Netzstabilität leisten und dabei auch noch etwas Geld verdienen. Wenn wir unser E-Auto bevorzugt in Zeiten geringerer Netzbelastung laden, erhält CKW dafür eine Gutschrift von der nationalen Netzbetreiberin Swissgrid. Wir erhalten dafür eine Vergütung von bis zu 100 Franken pro Jahr. Im Ausland gibt es weitere Apps, die genutzt werden können.

 

«Rund ein Drittel der Befragten wäre bei einem Rabatt von 2 CHF pro Monat bereit smart zu laden. Erhöht man diesen Rabatt auf 20 CHF sind es schon rund 80%.»

Finanzielle Anreize können die Bereitschaft zur Teilnahme an netzdienlichen Lösungen erheblich steigern. Dies zeigt die erwähnte Umfrage des BFE. Bei einem Rabatt von CHF 2 pro Monat wäre schon rund ein Drittel der Befragten bereit, intelligent zu laden (siehe folgende Abbildung). Gefragt sind Geschäftsmodelle, damit solche Lösungen bei den Elektroautofahrenden breite Anwendung finden.


Rabatt für smartes Laden
Bildquelle: Befragung von Elektroautofahrenden, Bundesamt für Energie (2025)


Neue Schweizer Guideline: Intelligentes Laden von Elektrofahrzeugen

Unter der Leitung der eMobilityLab GmbH erarbeiten Experten der Technischen Kommission 69 aktuell eine Schweizer Guideline (SNG) für das intelligente Laden von Elektrofahrzeugen. Die Guideline zielt darauf ab, technische Anforderungen und Spezifikationen auf dem aktuellen Stand der Technik zusammenzufassen, um bei allen Beteiligten – von Herstellern über Netzbetreiber bis zu Dienstleistern – Akzeptanz und Klarheit zu schaffen. Durch die frühzeitige Bündelung von Wissen und die Vernetzung der Schlüsselakteure soll der Aufbau von intelligenten, zukunftssicheren und netzdienlichen Ladeinfrastrukturen in der Schweiz unterstützt werden. Die Erarbeitung erfolgt 2026, die Publikation ist für 2027 geplant.


Einige wichtige Ziele der Guideline:

  • Zusammenfassung und Erläuterung wichtiger Inhalte von internationalen Normen

  • Vorstellung von Lösungen, die sich international bewähren

  • Schaffung einer Hilfestellung für die Zielgruppen Elektroplaner, Installateure, Energieversorgungsunternehmen und Verteilnetzbetreiber


Falls Sie mehr über die Guideline wissen möchten oder Interesse an der Mitarbeit haben, können Sie sich gerne über das Kontaktformular bei uns melden.

 

Mit diesem Projekt möchten wir einen Beitrag zur Netzstabilität und zur Energiewende leisten. Denn wir sind überzeugt, dass intelligentes Laden unverzichtbar ist, wenn es darum geht, den Elektroverkehr in ein zukunftsfähiges Energiesystem zu integrieren.

 

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